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TALKING POINT auf IBI
  • 2021-Apr-28

TALKING POINT auf IBI

Boote und Komponenten aus dem Drucker?

Der 3D-Druck, auch bekannt unter „Additive Manufacturing (AM), ist eine umfassende Bezeichnung für alle Fertigungsverfahren, bei denen Material Schicht für Schicht aufgetragen und so dreidimensionale Gegenstände erzeugt werden.

Dabei erfolgt der schichtweise Aufbau computergesteuert aus einem oder mehreren flüssigen oder festen Werkstoffen nach vorgegebenen Maßen und Formen. Beim Aufbau finden physikalische oder chemische Härtungs- oder Schmelzprozesse statt.

Werkstoffe für das 3D-Drucken sind zur Zeit Kunststoffe, Keramikstoffe, Metalle und auch Beton. Carbon- und Graphitmaterialien für den 3D-Druck von Teilen aus Kohlenstoff wurden gleichfalls entwickelt.

Obwohl es sich meist um formgebende Verfahren handelt, sind für ein konkretes Erzeugnis keine speziellen Werkzeuge erforderlich, die die jeweilige Geometrie des Werkstückes gespeichert haben, z.B. Laminier- oder Gußformen.

Pläne werden zunächst am Computer entworfen, in Steuerungsdaten übersetzt und anschließend an den 3D-Drucker weitergeleitet. Die Größe der 3D-Drucker reicht vom kleinen, privaten Drucker bis zum Portalroboter, die naturgemäß größer als das Werkstück sein müssen.

Wie steht’s um den Bootsbau hinsichtlich dieser Technologie?

Obwohl bereits 1986 die erste Patentanmeldung für das Verfahren erfolgte, steckt das 3D-Drucken in unserer Industrie noch in den Kinderschuhen. Sicherlich bietet sich da die Herstellung kleinerer Bauteile, wie z.B. die Gehäuse von Bilgenpumpen, viel eher an, als die ganzer Bootsrümpfe. Jedoch auch das geschieht bereits.

Die Technologie hat hauptsächlich mit Elastomeren und glas- oder aluminiumgefüllten Thermoplasten Einzug gehalten, die sowohl eingefärbt als auch transparent sein können.

Die Schwierigkeit beim Drucken von großen und steifen Strukturen, wie z.B. Rümpfen, besteht darin, daß die Festigkeit und Steifigkeit in verschiedenen Richtungen des Bootes recht unterschiedlich sind. Schließlich besteht zwischen den jeweiligen Druckschichten keinerlei Verbindung durch eventuelle Fasern, während in Richtung der Druckschichten Fasern in der Länge orientiert sein können.

ISO 12215, der Standard, nach welchem die Festigkeit von Booten und Yachten bis 24 Metern Rumpflänge beurteilt wird, läßt die Technik zwar allgemein zu, ist aber noch nicht wirklich hilfreich hinsichtlich CE Zertifizierung der Fahrzeuge. Vielleicht tut sich da ja etwas im Rahmen der nächsten Revision.

Erst wenn digitale, additiv aufgebaute Boot oder Komponenten leistungsfähiger, schneller verfügbar, leichter und kostengünstiger sein werden, kann sich der 3D-Druck in der Industrie wirklich durchsetzen.